Impro-Wissen

Status nach Keith Johnstone: Was Hoch- und Tiefstatus über Kommunikation verraten

playandwork®-Team · 5 Min. Lesezeit

Jede Begegnung hat eine unsichtbare Choreografie: Wer nimmt Raum ein, wer macht sich klein, wer führt, wer folgt? Der britische Theatermacher Keith Johnstone hat dieses Spiel „Status" genannt – und es ist eines der wirkungsvollsten Werkzeuge des Improtheaters. Auch im Büro.

Status ist kein Rang, den man hat – es ist ein Verhalten, das wir in jeder Sekunde senden.

Was ist Status im Improtheater?

In seinem Klassiker „Impro" beschrieb Keith Johnstone in den 1970ern eine verblüffende Beobachtung: In jeder Interaktion spielen Menschen ständig Status – sie heben oder senken sich im Verhältnis zueinander. Über Haltung, Blickkontakt, Stimme, Tempo und Wortwahl signalisieren wir laufend, wo wir uns gerade verorten. Meist völlig unbewusst.

Auf der Bühne wird das zum Spiel: Sobald zwei Figuren ihren Status zueinander festlegen, entsteht sofort eine Beziehung – und damit Spannung, Komik oder Konflikt.

Hochstatus und Tiefstatus – ein Spektrum

Status ist kein Entweder-oder, sondern ein Spektrum, auf dem wir uns ständig bewegen:

  • Hochstatus – ruhig, raumgreifend, hält den Blick, spricht langsam, korrigiert sich selten. Wirkt souverän, manchmal distanziert.
  • Tiefstatus – macht sich kleiner, bewegt sich viel, sucht Zustimmung, entschuldigt sich schnell. Wirkt nahbar, manchmal unsicher.

Wichtig: Keiner ist „besser". Es geht nicht um Dominanz gegen Schwäche, sondern um das Zusammenspiel. Die stärksten Kommunikator:innen wechseln flexibel – je nachdem, was die Situation braucht.

Warum Status im Berufsalltag zählt

Sobald man Status einmal sieht, sieht man ihn überall: im Meeting, im Verkaufsgespräch, auf der Bühne, in der Führung. Wer dauerhaft zu hoch spielt, erzeugt Distanz oder Angst. Wer zu tief spielt, verliert Autorität. Gute Moderator:innen heben gezielt den Status des Publikums; gute Führungskräfte geben anderen Raum, ohne den eigenen Stand zu verlieren.

Status bewusst spielen – 3 Impulse

  • Beobachten – Achtet in Meetings auf Statussignale: Wer unterbricht, wer weicht aus, wer nimmt Raum?
  • Flexibel wechseln – Mal bewusst Raum geben (Status senken), mal klare Präsenz zeigen (Status heben).
  • Augenhöhe schaffen – Echte Stärke zeigt sich darin, den Status anderer zu heben, statt den eigenen zu betonen.

Fazit

Status ist immer im Spiel – ob wir wollen oder nicht. Wer ihn erkennt, kommuniziert klarer, führt souveräner und schafft echte Augenhöhe. Im Improtheater üben wir genau das: spielerisch, mit viel Humor und garantierten Aha-Momenten.

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